Wie steht es um Demokratie und Demokratiebildung in der Schule? Eine Frage, auf die sich ganz unterschiedliche, vielschichtige und mitunter überraschende Antworten finden lassen.
Mit unserem Interviewprojekt nähern wir uns ihr auf konkrete Weise: Wir greifen Themen auf, stellen Fragen, eröffnen neue Perspektiven und bringen Menschen miteinander ins Gespräch. Die daraus entstehenden redaktionellen Beiträge veröffentlichen wir auf der Schulhomepage.
Eine Schulhomepage ist mehr als eine digitale Visitenkarte. Sie zeigt, was eine Schule bewegt, welche Fragen sie stellt und welche Haltung sie erkennen lässt – für die Schulgemeinschaft ebenso wie für Ehemalige, zukünftige Schüler und ihre Familien sowie die Stadtgesellschaft. Sie macht sichtbar, wie Schule gesellschaftliche Fragen aufgreift und unterschiedlichen Perspektiven Raum gibt.
Mit diesem Projekt möchten wir dazu ermutigen, über die gewohnten Rituale des Unterrichts hinauszugehen, neue Blickwinkel einzunehmen und durch das Vernetzen von Themen, Perspektiven und Lernräumen unerwartete Querverbindungen zu entdecken.
Und das ist etwas, das ich schon von meiner Schule davor kannte, weil ich von der B: auf einer freien Schule war. Und da gab es eben auch Lernen und Begegnung auf Augenhöhe, wobei den Schülerinnen sehr viel zugetraut wurde und wir Möglichkeiten hatten, irgendwie nach unseren Interessen zu lernen und ja, ein bisschen selbst zu entscheiden, was wir wie machen wollen.
Und das ist etwas, was ich total wertvoll finde für Schule und was eigentlich eine Art des Lernens ist, die sich auch für andere Formate abgucken lässt und sollte, also nicht nur für den Bereich der Geschichtswerkstatt, sondern die eigentlich auch im normalen Regelunterricht Platz finden sollte.
Und dazu passt die Beschäftigung mit Erinnerungskultur sehr gut. Denn es ist schwer vorstellbar, sich durch Recherche den Schicksalen von Menschen zu widmen, und dabei ist es sehr unangemessen, zu benoten und durch Noten auch ein Wertgefälle unter den Teilnehmerinnen herzustellen.
Das war eben nicht nur so, weil es mich persönlich sehr interessiert hat, sondern auch, weil das Thema im Stundenplan vorgesehen war und ich schon früh in der Schule damit angefangen hatte. Also, ich hatte schon in der fünften, sechsten Klasse, da war ich noch auf einer Regelschule, das Buch Als Hitler das rosa Kaninchen stahl im Deutschunterricht. Da kam das Thema so ein bisschen das erste Mal in einem größeren Kontext hoch. Und dann hatte ich das auch im Geschichtsunterricht, also die nähere Auseinandersetzung damit, was passiert ist, was das über Gesellschaft aussagt und was es uns ganz konkret über unsere Gesellschaft heute beibringt.“
Das gilt ja für vieles. Wenn wir zum Beispiel über inklusive Beschulung sprechen, geht es auch darum, die Erfahrung zu machen, mit einem Kind zusammen zu sein, das eine Beeinträchtigung hat. Du entwickelst vielleicht Freundschaften, aber jedenfalls entwickelst du Verständnis und eine gewisse Nähe – und aus dieser Nähe entsteht wiederum Verständnis.
Ein verzerrtes Verständnis von Neutralität entsteht, wenn von der Schule in normativer Hinsicht Neutralität verlangt wird. Natürlich ist die Schule die einzige Instanz, in der der Staat die Möglichkeit hat, für sein normatives Programm zu werben und dieses auch geltend zu machen: z. B. für die Verfassung, für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, den Sozialstaat, die Menschenrechte und das Verbot von Diskriminierung.“
Als die Wehrmacht 1944 Wilna vor der anrückenden Roten Armee räumt, warnt Plagge die Zwangsarbeiter vor der drohenden Übernahme des Lagers durch die SS und verhilft vielen von ihnen zur Flucht. Dank des „Retters in Uniform“ überleben rund 250 Juden den Holocaust. Plagge wird seit 2005 als „Gerechter unter den Völkern“ in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel geehrt.
Seit Mai 2017 trägt ein Neubau der TU in der Alexanderstraße den Namen „Karl-Plagge-Haus“.
Hannelore Skroblies, Historikerin, Gründerin der Geschichtswerkstatt Darmstadt. Hier bei der Verleihung des 2026 Elisabeth Kern Preis, den sie 2026 überreicht bekam.
Natürlich war das auch mit dem Druck auf die Kommunen verbunden, diese Menschen unterbringen zu müssen – und auch unterbringen zu wollen. Dann stellen sich Fragen wie: Wo machen wir das? Wie moderieren wir den Prozess? Und mit welchen Konfliktlagen oder Fragestellungen haben wir es möglicherweise vor Ort zu tun? Aber auch: Welche Sorgen haben die Menschen? Das wäre ein klassischer kommunaler Fall.
Das ist eine besondere Geschichte. Vielleicht hört sich das zunächst etwas schlagwortartig an, aber die entstehenden Konflikte und auch ihre Bewältigung hängen sehr stark von den jeweiligen Besonderheiten vor Ort ab. Jedes System unterscheidet sich – auch wenn ein Dorf ein Dorf ist und eine Schule eine Schule ist.
Der Kern unserer Arbeit besteht deshalb zunächst darin, die Besonderheiten jedes einzelnen Systems zu verstehen, um darin die passenden Ansatzpunkte zu finden – etwa mit Blick auf eine Beratungsanfrage. So kann zum Beispiel die Einrichtung einer Unterkunft für geflüchtete Menschen gelingen und möglichst viele Menschen können auf diesem Weg mitgenommen werden.“
Die Situation in Hanau hat bis heute Aufmerksamkeit weit über die Stadtgrenzen hinaus erfahren. Wir haben danach auch begonnen, gemeinsam mit dem Deutschen Jugendinstitut eine eigene Studie in Hanau durchzuführen, um ein Stück weit aufzuarbeiten und zu verstehen, wie es der Kommune überhaupt gelungen ist, vom ersten Tag an mit einer solchen Überforderung zurechtzukommen.
Ich denke, die Stadt Hanau hat – bei allen Fehlern, die gemacht wurden – mit einer sehr großen Offenheit, einer hohen Bereitschaft und sehr viel persönlichem Engagement einen Umgang mit diesem Anschlag gefunden.
Das hing auch sehr stark vom Verhalten des Oberbürgermeisters ab und von den Entscheidungen, die in den ersten, ich würde sagen, 48 Stunden getroffen wurden – höchstens 48 Stunden, vielleicht waren es auch nur 24. Und bis heute versucht man nicht nur, dieses Thema am Leben zu halten, sondern aktiv daran zu arbeiten, dass dieser Anschlag ein Teil der Stadtgeschichte wird.
Mein erster Termin in Hanau war eine Woche nach dem Anschlag. In dem Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt habe ich mir erlaubt, den Satz zu sagen: „Denken Sie jetzt schon daran, dass es einen erinnerungspolitischen Konflikt geben wird. Wie gedenken wir der Menschen? Welche Räume schaffen wir? Wo? Und so weiter.“
Und tatsächlich ist es genauso gekommen: Auch das Thema des Gedenkens – etwa die Frage, wo ein Denkmal stehen soll oder ob überhaupt eines errichtet werden soll – wurde zu einem Konfliktthema. Zu einem Konfliktthema für die gesamte Stadtgesellschaft beziehungsweise für Teile der Stadtgesellschaft.“
Marlena M. beschäftigt sich mit der Manosphere und schreibt ihre Bachelorarbeit zum Thema „Coding Masculinity: Memes, Emojis, and Hierarchies in the Manosphere“. In diesem Interview berichtet sie über ihre Recherche, ihre Arbeit und die Eindrücke, die sie während des Schreibprozesses gewonnen hat.
Aus der Vorwort der Bachelorarbeit: „Die Manosphere hat sich durch ein teilweise raffiniertes Bündel semiotischer Techniken zu einer globalen Kraft entwickelt, die häufig ein Ideal von Männlichkeit mit Misogynie verknüpft“ (McIntosh 188). Innerhalb dieses lose verbundenen Netzwerks aus Blogs, Foren, Subreddits und Social-Media-Accounts wird Männlichkeit nicht nur diskutiert, sondern auch visuell und symbolisch codiert, sodass bestimmte Formen von Männlichkeit aufgewertet, während andere abgewertet werden (di Carlo 3; Ging 1). Die Kommunikation in diesen Räumen stützt sich häufig auf symbolische Formen wie Memes, Emojis und codierte Sprache. Diese fungieren als verdichtete ideologische Marker, die Narrative verbreiten, Gruppenidentitäten stärken und hierarchische Unterscheidungen zwischen verschiedenen Formen von Männlichkeit etablieren (Aulia und Rosida 5; Ging 1).
Gleichzeitig deuten empirische Daten darauf hin, dass solche Narrative über spezifische Online-Communities hinaus Resonanz finden und breitere Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen prägen. Einer aktuellen Ipsos-Studie zufolge stimmen 57 Prozent der Männer der Generation Z der Aussage zu, dass die Förderung der Gleichstellung von Frauen so weit gegangen sei, dass Männer inzwischen diskriminiert würden, verglichen mit lediglich 42 Prozent der männlichen Babyboomer (16). Dieser Generationenwandel deutet darauf hin, dass Vorstellungen männlicher Viktimisierung und wahrgenommener Benachteiligung zunehmend beeinflussen, wie jüngere Männer Geschlechtergleichstellung interpretieren. Dies wirft die Frage auf, wie digital vermittelte Konstruktionen von Männlichkeit mit breiteren gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit zusammenwirken. In dieser Arbeit werden diese Dynamiken in einen umfassenderen postfaktischen Medienkontext eingeordnet. Dabei wird untersucht, wie digital vermittelte und emotional resonante Narrative über Männlichkeit glaubwürdiger erscheinen können als empirisch fundierte Darstellungen von Geschlechterverhältnissen (Björninen et al. 12 f.).“
Wir konnten mit Genehmigungen der Eigentümer die Brauereikeller besichtigen. Das war schon überraschend und auch überzeugend gewesen. Die ehemaligen Brauereikeller haben wir daraufhin als wichtigen Teil der Darmstädter Geschichte unter Denkmalschutz gestellt.
Dann kam noch hinzu, dass der Keller unter dem Biergarten 1933 als Folterkeller von der SA Darmstadt genutzt wurde, nachdem die NSDAP die Macht in Darmstadt übernommen hatte. Diese Tatsache erweiterte den Denkmalschutz um einen politisch-geschichtliche Aspekt. Ebenso wichtig ist Nutzung der Kellerräume als Schutzräume im Zweiten Weltkrieg, besonders in der Brandnacht vom 11. auf den 12. September 1944.“
Er steht ganz explizit auch für den Hessischen Landboten, also jene Flugschrift, mit der grundsätzlich zum Widerstand aufgerufen wurde. Diese Flugschrift wurde verteilt, dieser politische Widerstand – diese Verschwörung – ist jedoch verraten worden und aufgeflogen. In der Folge kamen die Mitstreiter, oder zumindest viele von ihnen, hier in dieses Gefängnis. Friedrich Ludwig Weidig hat diese Haft nicht überlebt.
Georg Büchner konnte fliehen und ist später in der Innerschweiz gestorben. Aber die Figur Weidigs, so wie ich sie sehe, ist für dieses Gefängnis von enormer Bedeutung – auch heute noch. Weidig ist auf dem alten Friedhof beerdigt, und auch dort gibt es eine Erinnerung an ihn, die wachgehalten wird. Das ist natürlich eine bestimmte Interpretation dieser Geschichte, in der Weidig besonders hervorgehoben wird.
Es gab aber auch andere Mitstreiter Büchners, die hier inhaftiert waren. Minna Röder zum Beispiel ist von Bedeutung, sie konnte später emigrieren, ebenso wie andere. Insofern hat dieses Gefängnis, was politische Verfolgung angeht, von Anfang an eine ganz besondere Bedeutung. Es war ja erst kurz zuvor errichtet worden und wurde dann sehr früh zu einem Ort politischer Repression.
Geht man etwa hundert Jahre weiter, in die Zeit des Nationalsozialismus, sieht man dieses Gefängnis in seiner ganzen Komplexität als Widerspiegelung des nationalsozialistischen Terrorsystems. Es gibt hier Teile, die als Gestapo-Trakt genutzt wurden, andere Bereiche ebenfalls – also unterschiedliche Funktionen innerhalb dieses Systems.“
Zunächst sei der öffentlich-rechtliche Rundfunk aufgebaut worden. Auch im Fernsehbereich, der Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre langsam entstanden sei, habe man nicht privaten Verlegern oder Unternehmern entsprechende Lizenzen gegeben. Stattdessen habe man einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschaffen.
Dieser sollte allerdings kein Staatsrundfunk und kein Staatsfernsehen sein. Deshalb habe man gesellschaftliche Gruppen wie Gewerkschaften, Kirchen und Frauenverbände eingebunden, die eine Kontrollfunktion übernehmen sollten. Dieses Prinzip bestehe im Grunde bis heute. Es gebe zwar von staatlicher Seite angestoßene und durch staatliche Gesetze geregelte Sender, diese seien jedoch öffentlich-rechtliche Sender, wie beispielsweise der Hessische Rundfunk und der Südwestrundfunk.
Dabei handele es sich im Grunde um gesellschaftlich und öffentlich kontrollierte Anstalten, die man auch als Rundfunkanstalten bezeichne. Der Staat dürfe dabei nur einen Minderheiteneinfluss haben. Zwar seien auch politische Parteien in den entsprechenden Gremien vertreten, die Mehrheit liege jedoch bereits seit einigen Jahrzehnten bei den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Das sei der Beginn des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewesen.

„Stärken fürs Leben“
Die Projektförderung „Stärken fürs Leben“ wurde in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der Schulen sowie dem Staatlichen Schulamt entwickelt. Mit diesem Engagement trägt die Sparkasse Darmstadt und Dieburg dazu bei, ein hochwertiges und umfassendes Bildungsangebot zu fördern.
