Denkt man an Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, fallen einem die nach Darmstadt verschleppten Kriegsgefangene oder sog. Zivilarbeiter ein, die in Firmen, Fabriken, der Muna, in der Landwirtschaft, aber auch privat beschäftigt waren. Weniger präsent ist das Unrecht, dass den Darmstädter Juden widerfuhr, die 1940 vom städtischen Tiefbauamt zu Zwangsarbeit gezwungen wurden.
Öffnungszeiten
02. bis 27. Februar| 9:00 – 17:30 Uhr
Themenabend
Geschichte begegnen | Erinnerung gestalten
10. Februar 2026 | 18:00 – 20:00 Uhr
Finissage
Erinnerungsskulpturen – Gespräch mit dem Künstler Ryan Lilienthal
26. Februar 2026 | 18: 00 Uhr
Die Ausstellung thematisiert nicht nur die Zwangsarbeit, sondern vor allem den Terror, der von dem städtischen Aufseher Friedrich Späth und dem Gestapobeamten Bruno Böhm zusätzlich ausging. Um sich gegen Späths Verhalten und seine Erpressungen zu wehren, entschloss sich die jüdische Gemeinde, ihn anzuzeigen. Doch die Gestapo ermittelte auch gegen die von Späth erpressten Juden. Im Verfahren vor dem Landgericht wurden die Opfer zu „Mittätern“ deklariert. Sie wurden deportiert und starben in den KZ oder in den Tötungsanstalten Bernburg und Schloss Hartheim.
In Kooperation mit der Bertolt-Brecht-Schule Darmstadt und dem Künstler Rainer Lind ist im Coronajahr 2020 die website https://recherche.video/recherche-2020/ entstanden. Daran anknüpfend und die Recherche weiterführend haben sich kürzlich wieder Jugendliche der Brechtgeschichtswerkstatt (Bertolt-Brecht-Schule) mit den Ereignissen 1940/41 in Darmstadt beschäftigt und an der analogen Ausstellung mitgewirkt. Neben den Archivalien aus dem Staatsarchiv Darmstadt laden die auf Tafeln gezeigten Auszüge aus Entschädigungsakten und Spruchkammerverfahren, aber auch NS-Täterdokumente ein, die Frage nach Handlungsoptionen zu reflektieren, Täterhandeln zu benennen und die Opfer und Verfolgten zu erinnern. Der Künstler Ryan Lilienthal eröffnet der Brechtgeschichtswerkstatt außerdem die Möglichkeit, an einem Workshop teilzunehmen und für ermordete Darmstädter Gedenksteine zu gestalten, als Teil der Kunstinstallation Tonwerk.
Ryan Lilienthal
Tonwerk: Gestaltung von Reaktionen auf den Nationalsozialismus durch Erinnerungsskulpturen
Multidirectional memory im Staatsarchiv
Mit Hilfe dieses Konzepts sucht der US-amerikanische Künstler Ryan Lilienthal einen Zugang zum Thema „Arisierung, organisierter Raub und jüdische Zwangsarbeit 1933 bis 1945“ und verarbeitet hierbei auch seine persönliche Familiengeschichte.
Ergänzt und erweitert wird seine Installation durch Kunstobjekte von Jugendlichen, die das Ergebnis mehrere Workshops mit dem Künstler und dem Quellenstudium im Staatsarchiv Darmstadt sind. Zu den teilnehmenden Schulen gehören die Geschwister-Scholl-Schule Bensheim, die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule Ober-Ramstadt, die Bertolt-Brecht-Schule in Darmstadt, die Friedrich-Ebert-Schule Pfungstadt, die Mittelpunktschule Gadernheim und die Grundschule Elmshausen.
Während der Finissage besteht die Möglichkeit, mit Ryan Lilienthal und den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.