Nikolaus Heiss, Denkmalspfleger

Nikolaus Heiss war von 1981 bis 2010 Denkmalpfleger der Stadt Darmstadt und spielte eine zentrale Rolle bei der Bewerbung und Aufnahme der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in die UNESCO-Welterbeliste. Seit 2008 koordinierte er die Vorbereitungen für diesen Antrag, und sein Engagement war maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Mathildenhöhe im Juli 2021 den Status als Weltkulturerbe erhielt. Heiss war nicht nur als Denkmalpfleger, sondern auch als Architekt, Fotograf, Dozent und Autor tätig und hat durch seine Arbeit die Bedeutung der Mathildenhöhe über die Grenzen Darmstadts hinaus bekannt gemacht. Sein Wirken wurde unter anderem mit dem Hessischen Verdienstorden gewürdigt.




„Wenn ich über die Mathildenhöhe Darmstadt rede, dann war das für mich ein ganz wesentlicher Punkt in meinem Berufsleben und überhaupt in meinem Leben. Die Zeit von 2008 bis 2021 war sehr intensiv. 2008 haben wir mit einer kleinen Arbeitsgruppe begonnen, Argumente für eine Bewerbung bei der UNESCO zusammenzutragen.

Zunächst mussten wir uns für die deutsche Tentativliste qualifizieren, also für die Vorschlagsliste möglicher Welterbe-Kandidaten. Dafür brauchten wir unter anderem ein unabhängiges Gutachten. Wir fanden in der Schweiz den Kunsthistoriker Werner Oechslin, luden ihn nach Darmstadt ein und zeigten ihm die Stadt und die Mathildenhöhe. Sein Gutachten fiel sehr positiv aus und war für unsere Bewerbung wichtig.“

„Die Finanzierung war allerdings schwierig. Die Stadt konnte die Kosten nicht übernehmen, deshalb haben wir Unterstützung gesucht, unter anderem bei der Mercksche Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst, die uns schließlich geholfen hat.

Nach mehreren Jahren Vorbereitung kam eine Delegation der Kultusministerkonferenz nach Darmstadt, prüfte unsere Unterlagen sehr kritisch und besichtigte die Mathildenhöhe. Schließlich gehörte Darmstadt zu den sieben Städten, die für die Bewerbung bei der UNESCO ausgewählt wurden.

Danach wurde aus der kleinen Arbeitsgruppe ein deutlich größeres Projekt mit vielen Beteiligten und wissenschaftlicher Beratung. Es entstand ein umfangreiches Dossier sowie ein Managementplan für den zukünftigen Umgang mit dem Welterbe.

Die Bewerbung wurde 2019 eingereicht. Wegen der Pandemie verzögerte sich die Entscheidung, und die entscheidende Sitzung fand schließlich 2021 virtuell statt. Nach Diskussionen und Abstimmungen fiel die Entscheidung: Die Mathildenhöhe Darmstadt wurde UNESCO-Welterbe. Das war für uns alle ein besonderer Moment, weil damit viele Jahre intensiver Arbeit erfolgreich abgeschlossen wurden.“

Das Interview als Podcast – 24:45 Min.

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